Corona-Krise: Das sind die Zuschüsse und Hilfskredite für Selbstständige

Die Bundesregierung hat im Zuge der Corona-Krise ein Hilfspaket geschnürt, das bei vielen Unternehmer:innen für Entlastung sorgen kann. Das Ziel ist, Kleinstunternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen und Solo-Selbstständige sowie Freiberufler:innen mit bis zu zehn Beschäftigten durch eine finanzielle Soforthilfe zu unterstützen. Doch nicht nur Zuschüsse werden von unserem Land bereitgestellt. Steuervergünstigungen, Stundungen, der erleichterte Zugang zu Kurzarbeitergeld und weitere Maßnahmen helfen Unternehmer:innen jetzt zu dieser kritischen Zeit. Wir haben zusammengefasst, was Sie jetzt als Unternehmer:innen wissen müssen.

1. Corona stellt Selbstständige vor finanzielle Probleme

Die Corona-Krise stellt Selbstständige, Kleinunternehmer:innen und Freiberufler:innen vor ein noch nie dagewesenes Problem. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die Unternehmer kommen, übertreffen sogar die Auswirkungen der Finanzkrise 2008. Insbesondere für Selbstständige und kleinere Unternehmen bedeutet die Pandemie: Ausbleiben von Zulieferungen oder Bestellungen aus dem Ausland, Ausfall von Mitarbeitenden und generell eine schwierige Auftragslage. Diese immense, wirtschaftliche Belastung führt dazu, dass viele Unternehmer:innen Kredite aufnehmen müssen und dringend Förderungen brauchen, um ihre Zukunft abzusichern.

In Kürze haben wir hier die wichtigsten Fragen zu den Hilfskrediten der Bundesregierung beantwortet:

Welche Soforthilfen für Selbstständige gibt es in der Corona-Krise?

Zum einen erhalten Selbstständige und Kleinunternehmer:innen finanzielle Unterstützung vom Bund, zum anderen bieten einige Bundesländer weitere Förderungen zusätzlich an. Weiterhin nimmt der Bund kleineren Unternehmen einiges an Steuerlast ab. Es gibt außerdem unabhängige Institutionen, die zusätzliche Förderungen und Darlehen anbieten.

Die Soforthilfe teilt sich in zwei verschiedene Aspekte: Förderung durch direkte finanzielle Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden können und die Förderung bei der Aufnahme von Krediten, die in vollem Umfang zurückgezahlt werden müssen.

Welche Kredite können Unternehmen und Selbstständige aufgrund der Corona-Krise beantragen?

Die wichtigste Bank, die für Kredite rund um die Corona-Krise zuständig ist, ist die KfW Förderbank (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Sie übernimmt und unterstützt vom Land einen Großteil des Risikos (bis zu 90 % bei kleineren und mittleren Unternehmen) von Krediten, die Banken an Unternehmen, die durch die Krise in Bedrängnis gekommen sind, auszahlen.

Die Rückzahlung allerdings bleibt zu 100 % beim Kreditnehmenden. Die Förderbank unterscheidet drei verschiedene Arten von Krediten (Kredite an Unternehmen mit einem Unternehmensalter > fünf Jahre, Kreditvergabe an Unternehmen mit einem geringeren Alter als fünf Jahre sowie Konsortialfinanzierungen ab 25 Millionen Euro.)

Wer kann den Zuschuss für Soforthilfe erhalten?

Welche Anforderungen muss der Antragsstellende eines Kredites erfüllen?
Unternehmen, die durch die Corona-Krise einen Kredit bei der KfW beantragen, müssen bescheinigen, dass sie vor der Krise (vor dem 31.12.2019) keine Schwierigkeiten in ihrer Liquidität und keinen Umsatz- oder Ertragsrückgang von mehr als 10 % hatten. Es muss gezeigt werden, dass sich bis zum Zeitpunkt vor der Krise die wirtschaftliche Lage des Unternehmens nicht wesentlich verschlechtert hat. Zudem muss die Zahlungsfähigkeit gewährleistet sein, um den Kredit zurückzahlen zu können. Das wird von der jeweiligen Hausbank geprüft.

Muss der Corona-Hilfe Zuschuss zurückgezahlt werden?

Nein, die Soforthilfe des Bundes und der Länder muss nicht zurückgezahlt werden. Anders ist es bei den Corona-Hilfskrediten: Diese werden in Ihrer Bank beantragt und müssen, wie normale Kredite, vollständig zurückbezahlt werden.

Welche Bank gibt Kredite für Selbstständige in der Corona-Krise?

Die Corona-Hilfskredite selbst werden von Ihrer Hausbank vergeben. Haupt-Risikoträger für diese Kredite ist die KfW Förderbank. Durch ihre Risikoübernahme ist es wahrscheinlich, dass Ihnen der Kreditgebende den Kredit gewährt. Bisher sind keine Zinserleichterungen vorgesehen. Zur Vorbereitung des Termins in Ihrer Bank unterstützt Sie das KfW Bank Online-Formular.

2. Keine Obergrenze für Kredite festgelegt

Die KfW stellt in unbegrenztem Volumen verschiedene Kreditprogramme bereit, um kleine und mittelgroße Unternehmen aus unverschuldeten Finanznöten zu lindern. Dabei übernimmt sie 80–90 % des Risikos der Kreditprogramme.

Die finale Bewilligung läuft allerdings nach wie vor über Ihre persönliche Hausbank. Um bestmöglich auf das Gespräch mit ihr vorbereitet zu sein, können Sie das KfW Bank Online-Formular verwenden, mit dem Sie Ihre Kreditmöglichkeiten sowie die wahrscheinliche -höhe vorab berechnen können. Als zusammengefasstes Dokument können Sie diese Unterlagen direkt zum Gespräch mitnehmen.

Ein weiteres Paket garantiert die volle Risikoübernahme der Kredite durch die KfW (100 %). Einigen Banken war das Risiko, trotz der hohen Risikoübernahme der KfW, dennoch zu hoch. Dem wirkt das Land mit einem Kredit-Paket entgegen: Unternehmen, die 2019 bereits wirtschaftlich tätig waren, können nun einen Kredit über drei Monatsumsätze aufnehmen. Eine Voraussetzung dabei ist auch, dass das Unternehmen vor dem 31.12.2019 nicht schon in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sein darf. Die Laufzeit beläuft sich auf zehn Jahre – die vorherigen KfW Kreditprogramme laufen halb so lang.

Die Schnell-Kreditvergabe richtet sich laut Bundesfinanzministerium an Unternehmen, die seit mindestens 01.01.2019 am Markt gewesen sind. Die weiteren Eckdaten:

  • Maximal 800.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl über 50 Mitarbeiter:innen
  • Maximal 500.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von 11 bis 50 Mitarbeiter:innen

3. KfW Bank: Hilfskredite beantragen

Die KfW Förderbank hilft mittelständischen Firmen, Selbstständigen und Freiberufler:innen dabei, einen Kredit bei ihrem Geldinstitut beantragen zu können. Weil sie dabei einen überdurchschnittlich hohen Anteil des Risikos übernimmt, ist es wahrscheinlich, dass Ihr Antrag über die Kreditvergabe von Ihrer Hausbank genehmigt wird. Die KfW bietet verschiedene Kredit-Möglichkeiten an:

– den KfW-Unternehmerkredit (für Unternehmen, die älter als fünf Jahre sind) und

– den KfW-ERP-Gründerkredit Universell (für Unternehmen, die jünger als fünf Jahre sind)

– den KfW-Schnellkredit (für Unternehmen, die mindestens seit dem 01.01.2019 am Markt sind)

Wenn Ihr Unternehmen jünger als drei Jahre ist und keine Jahresabschlüsse vorliegen, können Unternehmen ebenfalls einen ERP-Gründerkredit Universell beantragen. Allerdings liegt dann die volle Risikoübernahme bei Ihrer Bank. Eine mögliche Alternative bietet das ERP-Gründerkredit Startgeld, mit dem Sie bis zu 50.000 Euro für Betriebsmittel beantragen können.
Eine Übersicht über alle Kreditmöglichkeiten der KfW im Zuge der Corona-Krise finden Sie im Förderprogramm auf der Website der Förderbank.

Wie hoch darf der Kredit maximal sein? Der Kredithöchstbetrag kann sich aus verschiedenen Faktoren berechnen. Das Kriterium, bei welchem die höchste Kreditsumme möglich ist, ist ausschlaggebend. Der Kreditrahmen berechnet sich aus
– 25 % Ihres Jahresumsatzes 2019 oder
– dem Doppelten Ihrer Lohnkosten 2019 oder
– Ihrem Finanzierungsbedarf für die nächsten 18 Monate bei kleinen und mittleren Unternehmen (bis 250 Mitarbeiter:innen / 50 Millionen Euro Umsatz) beziehungsweise 12 Monate bei großen Unternehmen

Welche Unterlagen muss ich zum Gespräch mit der Bank mitbringen?
– Die Jahresabschlüsse der letzten beide Jahre
– Wenn für 2019 noch kein Jahresabschluss vorliegt, sollten Sie die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) von Dezember 2019 vorlegen
– Optional zusätzlich die Auswertung des KfW Bank Online-Formulars

Beantragen müssen Sie Ihren Kredit bei Ihrem Geldinstitut (Sparkassen, Volksbanken, …). Weitere Eckdaten zu den von der KfW geförderten Krediten:
– Der zugesagte Kredit muss nicht (vollständig) abgerufen werden. Wenn Sie verzichten, fallen keine Kosten oder Gebühren an.
– Die Anzahl der Anträge ist unbegrenzt. Wird eine Kreditsumme von 3 Millionen Euro überschritten, wird der Antrag nicht nur von der Bank, sondern direkt von der KfW überprüft.
– Im ersten Jahr fallen nur Zinsen (keine Tilgung) an

4. Hilfsmittel der Bundesregierung

Neustarthilfe

Mit der Neustarthilfe werden Solo-Selbstständige und kleine Kapitalgesellschaften unterstützt, deren wirtschaftliche Tätigkeit durch Corona eingeschränkt ist, die aber nur geringe betriebliche Fixkosten haben und für welche die Fixkostenerstattung im Rahmen der Überbrückungshilfe III nicht infrage kommt. Die Förderung umfasst den Zeitraum vom 01.01.2021-30.06.2021.

Wer kann die Förderung beantragen?
Bei der Antragstellung für die Neustarthilfe gelten unterschiedliche Antragskriterien für folgende Gruppen:
– Soloselbständige, mit oder ohne Personengesellschaften
– Kapitalgesellschaften mit einem Gesellschafter (Ein-Personen-Kapitalgesellschaften),
– Kapitalgesellschaften mit mehreren Gesellschaftern (Mehr-Personen-Kapitalgesellschaften) sowie
– Sonderfall: kurz befristete Beschäftigte in den Darstellenden Künsten

Förderungen:
– einmalig 50 Prozent eines sechsmonatigen Referenzumsatzes (max. 7.500 Euro für Solo-Selbstständige und Ein-Personen-Kapitalgesellschaften, max. 30.000 Euro für Mehr-Personen-Kapitalgesellschaften)
– bei Erfüllung der Voraussetzungen erfolgt die Zahlung als Vorschuss, genaue Berechnung nach Ende des Förderzeitraums

Vorgehensweise:
Bei der Antragstellung wird zwischen Solo-Selbstständigen ohne Personengesellschaften, Solo-Selbstständigen mit Personengesellschaften bzw. Ein-Personen-Kapitalgesellschaften sowie Mehr-Personen-Kapitalgesellschaften. Informationen zur genauen Vorgehensweise gibt es hier.

Alle Informationen rund um die Neustarthilfe finden Sie hier.

Überbrückungshilfe III für kleine und mittelständische Unternehmen

Die Überbrückungshilfe III ist deutlich vereinfacht. Die maximale monatliche Fördersumme wurde auf bis zu 1,5 Millionen Euro pro Unternehmen erhöht. Das Programm läuft bis zum 31.08.2021.

Antrags- und förderungsberechtigt sind Unternehmen, die
– in einem Monat einen Umsatzeinbruch von mindestens 30 % im Vergleich zum Referenzmonat im Jahr 2019 erlitten haben.
– einen Jahresumsatz von bis zu 750 Millionen Euro haben.
neuerdings auch antragsberechtigt sind kirchliche Unternehmen und Start-ups, die bis zum 31.10.2020 gegründet wurden

Förderungen:
– bis zu 40 % der förderfähigen Fixkosten bei einem Umsatzrückgang von 30-50 %
– bis zu 60 % der förderfähigen Fixkosten bei einem Umsatzrückgang von 50-70 %
– bis zu 90 % der förderfähigen Fixkosten bei einem Umsatzrückgang von mehr als 70 %

– Soloselbstständige können im Rahmen der Überbrückungshilfe III eine einmalige Betriebskostenpauschale („Neustarthilfe“) ansetzen. Die maximale Höhe beträgt 7.500 Euro.

Vorgehensweise:
Unternehmen müssten den Antrag durch prüfende Dritte (Steuerberater:innen, Wirtschaftsprüfer:innen, vereidigte Buchprüfer:innen oder Rechtsanwält:innen) über die Überbrückungshilfe-Plattform stellen.
Soloselbstständige, die Neustarthilfe beantragen, können direkt Anträge stellen.

Alle Informationen rund um die Überbrückungshilfe III, häufig gestellte Fragen, einen Leitfaden zur Antragsstellung sowie eine Datenbank mit weiteren Förderungsmöglichkeiten finden Sie hier.

Überbrückungshilfe II für kleine und mittelständische Unternehmen

Die Überbrückungshilfe ist eine finanzielle Unterstützung der Bundesregierung. Die Überbrückungshilfe II umfasst die Fördermonate September 2020 – Dezember 2020. Änderungsanträge können noch bis zum 30.06.2021 (Antragsfrist verlängert) gestellt werden.

Anträge dürfen im Namen von:
– Unternehmen aller Größen
– Soloselbständigen
– Selbständigen Angehörigen der Freien Berufe im Hauptwettbewerb aller Branchen, die entweder
– einen Umsatzeinbruch von mindestens 50 % in zwei zusammenhängenden Monaten im Zeitraum April bis August 2020 gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten
und / oder
– einen Umsatzeinbruch von mindestens 30 % im Durchschnitt in den Monaten April bis August 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichneten
gestellt werden.

Förderungen:
– 90 % der förderfähigen Fixkosten bei Umsatzeinbruch > 70 %
– 60 % der förderfähigen Fixkosten bei Umsatzeinbruch ≥ 50 % und ≤ 70 %
– 40 % der förderfähigen Fixkosten bei Umsatzeinbruch ≥ 30 % und < 50 %

Vorgehensweise:
Der Antrag ist zwingend durch einen prüfenden Dritten (Steuerberater:in inklusive Steuerbevollmächtigten, Wirtschaftsprüfer:in, vereidigte:r Buchprüfer:in oder Rechtsanwält:in) im Namen des Antragsstellenden zu stellen. Der/die prüfende Dritte kann den Antrag hier stellen.
Dazu benötigt er/sie folgende Dokumente:
– Umsatzsteuervoranmeldungen des Jahres 2019 und, soweit vorhanden, der Monate April bis August 2020,
– Jahresabschluss 2019
– Einkommens- bzw. Körperschaftssteuererklärung 2019 und
– Aufstellung der betrieblichen Fixkosten des Jahres 2019
– Bewilligungsbescheid, falls dem Antragstellenden Soforthilfe gewährt wurde.

Alle Informationen rund um die Überbrückungshilfe ll, häufig gestellte Fragen, einen Leitfaden zur Antragsstellung sowie eine Datenbank mit weiteren Förderungsmöglichkeiten finden Sie hier.

November- und Dezemberhilfe

Die November- und Dezemberhilfe unterstützt stark betroffene Unternehmen, Betriebe, Selbständige, Vereine und Einrichtungen in der schwierigen Zeit durch die Schließung im November und Dezember. Die Antragsfrist ist abgelaufen. Änderungsanträge können noch bis zum 30.06.2021 gestellt werden.

Antragsberechtigt:
– Unternehmen
– Selbstständige
– Vereine und Einrichtungen
deren Betrieb aufgrund der zur Bewältigung der Pandemie erforderlichen Maßnahmen temporär geschlossen ist.

Antragsstellung:
Der Antrag erfolgt über die Plattform der Überbrückungshilfe durch Steuerberater:innen, Wirtschaftsprüfer:innen, vereidigte Buchprüfer:innen oder Rechtsanwält:innen. Soloselbstständige, die bisher noch keinen Antrag auf Überbrückungshilfe gestellt haben, können mit dem Direktantrag im eigenen Namen bis 5.000 Euro beantragen.

Zusätzliche Hilfen in den Ländern

Wenn Sie auf das jeweilige Bundesland klicken, gelangen Sie auf eine Seite mit Infos zu weiteren Hilfen in den Ländern.

Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

Wir bleiben Liqui

Die Website „Wir bleiben Liqui“ hilft Ihnen außerdem dabei, die relevanten Informationen für Ihr Bundesland zu finden, um eine schnelle Abwicklung zu begünstigen. Wir empfehlen, die Informationen vor Antragsstellung auf den jeweiligen Landes-Websites zu überprüfen.

5. Vom Staat unabhängige Hilfen

Weiterhin stehen Unternehmen, die durch die Corona-Krise in Schwierigkeiten gekommen sind, staatlich unabhängige Hilfen zur Verfügung. Diese sind teilweise lokal (Unterstützung städtischer, mittelständischer Firmen) oder national verfügbar und richten sich vor allem an gemeinnützige Unternehmen und Vereine.

Die Initiative #WeKickCorona hilft karitativen Vereinen und deren sozialen Einrichtungen. Insgesamt hat die Initiative bisher schon über 5 Millionen Euro spenden können. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von Leon Goretzka und Joshua Kimmich vom FC Bayern München.

Auch Marco Reus und seine Ehefrau haben ihren Beitrag für die Stadt Dortmund geleistet: Die Initiative #HelpYourHomeTown hilft kleinen Betrieben wie Friseur:innen, Kneipen, Restaurants und Boutiquen, damit diese die Corona-Krise unbeschadet überstehen können.

Falls Sie zusätzlich zur staatlichen Förderung Hilfe benötigen, schauen Sie auf die Website Ihrer Stadt, ob dort zusätzliche Initiativen angeboten werden.

6. Weitere Möglichkeiten für Selbstständige, durch die Krise zu kommen

Neben den direkten Zuschüssen und der Möglichkeit Darlehen aufzunehmen, haben Selbstständige und Unternehmer:innen weitere Alternativen, möglichst unbeschadet durch die Krise zu kommen. Dazu gehören viele Optionen, die das Land in dieser wirtschaftlichen Ausnahmesituation für Unternehmen errichtet hat. All diese Maßnahmen sollen dazu dienen, dass Menschen in einer schwierigen finanziellen Situation nun in kürzester Zeit Hilfe erhalten.

a. Sozialabgaben stunden

Sozialabgaben können gestundet werden. Das bedeutet, dass mittelständische Firmen, die aufgrund der aktuellen Situation Beiträge nicht bezahlen können, Beiträge pausieren können. Krankenkassen setzen die Einleitung von Vollstreckungsmaßnahmen aus, wenn Beiträge aufgrund COVID-19 nicht bezahlt wurden.

Außerdem können Anträge gestellt werden, um die Zahlungen von Sozialabgaben zu pausieren (stunden) oder in Raten zu bezahlen. Die Voraussetzung für eine Antragsstellung der Stundung und Ratenzahlung ist, dass die Firma bereits Unterstützung der Bundesregierung in Anspruch nimmt. Dazu gehört entweder der Bezug von Förderungen aus den Schutzschirmen oder beispielsweise Kurzarbeitergeld. Auf Antrag des betroffenen Arbeitgebenden können die Beiträge für die Ist-Monate Januar und Februar gestundet werden. Sie müssen dann erst zum Fälligkeitstermin des Monats März gezahlt werden. Den Antrag auf Stundung wird vom Arbeitgebenden selbst oder zum Beispiel von seinem Steuerberater / ihrer Steuerberaterin gestellt.

Ein umfangreiches FAQ zur Stundung der Sozialabgaben hat der GkV Spitzenverband zusammengestellt. In diesem sind die wichtigsten Informationen für Arbeitgebende zusammengefasst.

b. Kurzarbeitergeld beantragen

Kurzarbeitergeld (KUG) können Firmen beantragen, wenn mindestens 10 % der Beschäftigten einen Arbeitsentgeldausfall von mehr als 10 % haben. Die Sozialversicherungsbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden werden zu 100 % erstattet. Beansprucht werden kann das Kurzarbeitergeld auch von Leiharbeitnehmenden. Minusstunden müssen zur Vermeidung von Kurzarbeit nicht eingebracht werden. Wird Kurzarbeitergeld beansprucht, muss der Urlaub des vorherigen Jahres der Angestellten genommen werden.

Kurzarbeitergeld – die Eckdaten:
– Arbeitnehmende können nicht mehr in vollem Umfang beschäftigt werden
– Betroffene Arbeitnehmende arbeiten für eine gewisse Zeit weniger oder gar nicht mehr
– Das Kurzarbeitergeld gleicht den Lohnverlust der Arbeitnehmenden aus
– Arbeitnehmende bekommen circa 60 % des ausgefallenen Nettolohns
– Arbeitnehmende mit mindestens einem Kind bekommen circa 67 % des ausgefallenen Nettolohns
– ab dem vierten Monat bekommen Arbeitnehmende circa 70 %
– Arbeitnehmende mit Kind bekommen am dem vierten Monat circa 77 %
– ab dem siebten Monat bekommen Arbeitnehmende circa 80 % des ausgefallenen Nettolohns. Arbeitnehmende mit Kind bekommen dann circa 87 %
– Kurzarbeitergeld kann bis zu 12 Monate bezogen werden. Betriebe, die vor dem 31.12.2020 mit dem Kurzarbeitergeld begonnen haben, können es bis zu 24 Monate beziehen.
– Kurzarbeitergeld muss bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden

Schritt für Schritt zur Beantragung von Kurzarbeitergeld:
1. Teilen Sie Ihre Entscheidung über den Bezug des Kurzarbeitergeldes ihren Arbeitnehmenden mit (ggf. mittels Vereinbarung mit dem Betriebsrat oder durch Einverständnis ihrer Mitarbeitenden).
2. Stellen Sie einen Antrag bei Ihrer Agentur für Arbeit.
3. Wird der Antrag bewilligt, zahlen Sie die angefallenen Stunden Ihrer Mitarbeitenden. Zusätzlich bezahlen Sie Ihren Mitarbeitenden das Kurzarbeitergeld.
4. Beantragen Sie in einem Leistungsantrag monatlich nachträglich bei Ihrer Agentur für Arbeit.
5. Erhalten Sie neue Aufträge während der Laufzeit des Kurzarbeitergeldes, muss die Kurzarbeit pausiert werden. Wird das Kurzarbeitergeld beispielsweise für zwei Monate pausiert, können diese zwei Monate hinten angehängt werden, sodass sich das Kurzarbeitergeld wieder auf eine gesamte Laufzeit von 12 (24) Monaten verlängert. Wird das Kurzarbeitergeld für drei Monate pausiert, muss es neu beantragt werden.

Weitere Informationen zum Kurzarbeitergeld finden Sie auf der Website der Bundesagentur für Arbeit zum Thema KUG Corona Virus. Die Bundesagentur für Arbeit hat außerdem Videos mit den wichtigsten Informationen zum KUG bereitgestellt.

c. Notfall-KiZ – Der Kinderzuschlag

Der „Notfall-KiZ“ hilft Familien mit geringem Einkommen über die schwierige Zeit hinweg, die durch COVID-19 für viele Familien entstanden ist. Durch den Zuschuss können monatlich bis zu 185 Euro pro Kind zusätzlich beantragt werden. Beantragen können Sie den KiZ sofort online im Portal der Arbeitsagentur.

An wen richtet sich der KiZ?
An Eltern, deren Einkommen für sie selbst, aber nicht oder nur knapp für die Versorgung der Familie ausreicht.

Welche Voraussetzungen sind an den KiZ gebunden?
– Um den KiZ zu beantragen, müssen Eltern Kindergeld beziehen.
– Kinder dürfen nicht älter als 25 Jahre sein und müssen noch im Haushalt wohnen.
– Die Kinder müssen außerdem ledig sein.
– Mindesteinkommensgrenze: Das Bruttoeinkommen für Elternpaare muss 900 Euro Brutto übersteigen. Für Alleinerziehende muss das Bruttoeinkommen mindestens 600 Euro Brutto betragen (ohne Wohngeld, Kindergeld und Kinderzuschlag).

Sie können den KiZ entweder direkt beantragen oder mit dem KiZ-Lotse des Bundesagentur für Arbeit herausfinden, ob Sie Anspruch auf den Kinderzuschlag haben.

Antrag: https://con.arbeitsagentur.de/prod/kiz/ui/start
KiZ-Lotse: https://www.arbeitsagentur.de/familie-und-kinder/kiz-lotse

d. Zinsfreier Aufschub für Einkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer

Eine weitere Unterstützung erfahren Firmen außerdem durch Fristverlängerung bei der Zahlung von Steuern. So können Einkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer zinsfrei aufgeschoben werden, wenn Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie ihre Steuern nicht fristgerecht bezahlen können.

Steuervorauszahlungen von Unternehmen, Selbstständigen und Freiberufler:innen können außerdem angepasst werden. Die Anträge können bei Ihrem jeweiligen Finanzamt bis zum 30.06.2021 gestellt werden. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Bundesfinanzministeriums. Detailliertere Informationen entnehmen Sie aus dem ausführlichen FAQ des Bundesfinanzministeriums.

Infos: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Corona-Schutzschild/2020-03-19-steuerliche-Massnahmen.html
FAQ:
https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/2020-04-01-FAQ_Corona_Steuern_Anlage.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Tipp

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert ab sofort Beratungen für Corona-Betroffene kleine und mittlere Unternehmen und Freiberufler:innen bis zu einem Beratungswert von 4.000 Euro ohne Eigenanteil. Beantragen können Sie diesen Zuschuss für Beratungsdienstleistungen über das Antrags-Portal des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Weitere Informationen zu diesem Beratungszuschuss finden Sie auf der Website des BaFa.

7. Rückblick: Finanzkrise 2008 und Beantragung von Krediten

Was hat uns die Finanzkrise 2008 über Kredite und die Rettung von Unternehmen bereits gezeigt? Und inwieweit sind die Finanzkrise und die Corona-Krise überhaupt vergleichbar? Wie die Zeitung Welt im März 2020 schrieb, reagiert Deutschland heute mit ähnlichen Gegenmaßnahmen wie damals zur Finanzkrise: Ein vereinfachter Zugang zum Kurzarbeitergeld, Bereitstellung von Zuschüssen und Steuererleichterungen. Die beiden Krisen können allerdings nur bedingt miteinander verglichen werden, schrieb die Süddeutsche Zeitung im April 2020.

Die Auswirkungen der Corona-Krise seien zum einen bedeutend massiver. Zum anderen ist die aktuelle politische Situation im Vergleich zu fast zehn Jahren zuvor eine andere: Ein gemeinsames Vorangehen zeigte sich als schwierig, unter anderem durch die America-First-Strategie von Donald Trump sowie durch Spannungen zu anderen G20-Staaten wie der Türkei oder Russland. Eines ist jedoch sicher: Beide Krisen stellten und stellen Deutschland vor enorme wirtschaftliche Herausforderungen. Mit einem Schwund des Bruttoinlandsprodukts von 5,7 % ging die Finanzkrise einher. Doch: Obwohl auch Deutschland hart getroffen wurde, hat sich der Markt, so die Welt, gut erholt.

Die Welt zeigt in einem Rückblick auf die Finanzkrise, wie die damals angebotenen Kreditmöglichkeiten und Hilfsmaßnahmen angenommen wurden. Insgesamt befanden sich zeitweise mehr als 1,4 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Die Bundesagentur für Arbeit bezahlte diese Leistung noch zwei Jahre lang nach der Krise.

Die Zeitung berichtet weiterhin, dass insgesamt 115 Milliarden Euro zur Verfügung standen, um der zähen Darlehensvergabe von Banken an Unternehmen entgegenzuwirken. Allein 40 Milliarden Euro der Kredite waren dafür vorgesehen, von der KfW refinanziert zu werden. In den Jahren 2009 und 2010, so berichtet die Welt, haben allerdings nur rund 4.830 Unternehmen Kredite in Höhe von insgesamt 13,5 Milliarden Euro in Anspruch genommen. Grund waren die strengen Regularien, weshalb ein Großteil nicht genutzt werden konnte. Dank dieser Maßnahmen seien nichtsdestotrotz 1,2 Millionen Arbeitsplätze gesichert worden. Ein Großteil mit über 90 % der Kreditnehmenden waren kleine und mittelgroße Unternehmen.

Und auch jetzt sieht es noch so aus, als könnte die deutsche Wirtschaft diesen harten Schlag gut verkraften. So schreibt die Süddeutsche Zeitung, dass nicht zuletzt durch die Finanzkrise ein festes Fundament aufgebaut wurde, von dem unser Land nun profitieren kann.

Von der Problematik der erschwerten Beantragung von Krediten hat man sicherlich auch gelernt: Zwar müssen immer noch einige Konditionen erfüllt werden, jedoch kommt die Kreditaufnahme mit weniger strengen Auflagen daher als es noch zur Finanzkrise der Fall war.

Ausblick

Einen Ausblick geben das Bundesministerium der Finanzen und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Zwar sei noch nicht absehbar, wie stark Deutschland die Corona-Krise wirtschaftlich treffen wird. Es wird aber alles darangesetzt, dass alle verfügbaren Ressourcen eingesetzt werden, falls sich eine gravierende Störung der konjunkturellen Entwicklung abzeichne. Einen Rückblick auf das Jahr 2020 sowie einen kurzen Ausblick finden Sie auch hier.

„Angesichts der gesamtstaatlichen Überschüsse in den letzten Jahren ist [die öffentliche Hand] in der Lage, die Konjunktur auch über einen längeren Zeitraum zu stützen und auf unseren bisherigen Wachstumspfad zurückzuführen.“ – Zitat aus der Redaktion des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Ausgezeichnetes Engagement

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